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  • 25 Jahre Bürgerbus Nordhorn: Was passiert, wenn man Bürger einfach machen lässt

    25 Jahre Bürgerbus Nordhorn: Was passiert, wenn man Bürger einfach machen lässt

    Es gibt einen Bus in Nordhorn, der seit einem Vierteljahrhundert fährt – und das, obwohl ihn niemand fahren muss. Kein Verkehrsbetrieb, der dazu verpflichtet wäre, kein Konzern, der damit Geld verdient. Sondern Menschen aus der Stadt, die sich ans Steuer setzen, weil es jemand tun muss und sie es sein wollen. Der Bürgerbus Nordhorn e. V. feiert sein 25-jähriges Bestehen. Und sein Motto fasst eigentlich alles zusammen, worum es mir auf dieser Seite geht: „Bürger fahren Bürger.“

    Bürger fahren Bürger

    Die Linie 33 schlängelt sich von Brandlecht über Hesepe, Oorde und den Tierpark zum Bahnhof, weiter über Markt und Deegfelder Weg bis zum Rovenkamp. Auf dem Papier ist das eine Buslinie. In Wirklichkeit ist es ein Versprechen: dass auch der ankommt, der kein eigenes Auto hat. Getragen wird das Ganze nicht von einer Behörde, sondern vom Ehrenamt – das ist die tragende Säule, ohne die hier kein Rad rollen würde. Unterstützt von der Bentheimer Eisenbahn, dem Landkreis und einer Reihe regionaler Unternehmen, die als Sponsoren dabei sind. Das Konzept hat sich so bewährt, dass 2014 ein zweiter Verein dazukam: Der Bürgerbus Grafschaft Bentheim e. V. fährt seither sogar grenzüberschreitend nach Denekamp.

    Eine Lücke, die sonst niemand füllt

    Bürgerbusse sind ursprünglich eine niederländische Idee – der „Buurtbus“. In Deutschland startete das erste Angebot 1985 als Modellprojekt im Münsterland. Inzwischen gibt es allein in Nordrhein-Westfalen rund 150 solcher Vereine. Sie alle tun dasselbe: Sie schließen die Lücken, die das große Liniennetz lässt. Genau da, wo sich ein regulärer Bus betriebswirtschaftlich nicht rechnet und wo der Staat abwinkt, organisieren sich Bürger selbst. Für ältere Menschen, für Jugendliche, für alle, die nicht mehr oder noch nicht selbst fahren, ist dieser Bus oft der Unterschied zwischen Teilhabe und Zuhausebleiben. Das ist Subsidiarität, wie sie im Lehrbuch steht – nur dass sie hier nicht im Lehrbuch steht, sondern jeden Werktag pünktlich an der Haltestelle hält.

    Und dann kommt das Räderwerk

    Man könnte meinen, der Staat würde solchen Menschen jeden Stein aus dem Weg räumen. Tut er nicht immer. Wer ehrenamtlich einen Bürgerbus fahren will, braucht einen Personenbeförderungsschein – die Kosten dafür übernimmt der Verein zwar, aber der Aufwand bleibt. Besonders absurd wird es an der Grenze: Hürden wie Strafregisterauskunft und ärztliche Untersuchung machen es manchmal sehr zeitaufwändig, einen neuen Fahrer überhaupt „auf den Bus“ zu bekommen. Da will jemand ehrenamtlich, unentgeltlich, seine Nachbarn durch die Gegend fahren – und muss sich erst einmal durch einen kleinen Verwaltungsparcours kämpfen. Niemand bestreitet, dass es Regeln für die Personenbeförderung braucht. Aber wenn die gut gemeinte Vorsicht dazu führt, dass Engagierte entnervt aufgeben, bevor sie angefangen haben, dann verhindert die Regel genau das, was sie schützen soll.

    Vertrauen statt Gängelung

    Das ist die eigentliche Lehre aus 25 Jahren Bürgerbus. Diese Menschen brauchen kein Kindermädchen, das ihnen erklärt, wie man verantwortungsvoll handelt – sie tun es längst, jeden Tag, freiwillig. Was sie brauchen, ist ein Staat, der ihnen vertraut und ihnen den Weg frei macht, statt ihn zuzustellen. Wer wissen will, wie ein schlankerer, ermöglichender Staat konkret aussähe, muss nicht nach Berlin oder Brüssel schauen. Er kann sich an die Haltestelle am Rovenkamp stellen und warten, bis der Bus kommt. Er kommt. Seit 25 Jahren.

    Mach mit

    Wie fast überall fehlt es auch hier an Fahrerinnen und Fahrern – ein paar Schichten im Monat reichen schon. Wenn du in der Grafschaft wohnst und überlegst, dich einzubringen: Die Freiwilligen-Agentur Grafschaft Bentheim vermittelt und ist unter 05921/961812 oder freiwilligenagentur@grafschaft.de erreichbar. Das schönste Jubiläumsgeschenk für einen Bürgerbus ist nämlich kein Applaus – es ist der Mensch, der sich ans Steuer setzt.

    Quellen & zum Weiterlesen